burghart schmidt

"Wenn nämlich der Begriff Postmoderne einen Sinn hat, dann nur weil uns die Moderne um ihre Modernität betrog" [1986]

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Biografie

Wer glaubt Burghart Schmidt sei Deutscher oder gar Österreicher der irrt nicht nur, sondern kennt nicht den Nationalstolz der kleinen Minderheit am Watt. Burghart Schmidt ist Friese.

Vita:

Geboren zwar in Wildeshausen/Oldenburg, also Binnenland, 1942, zog Burghart Schmidt mit der Familie im Babyalter nach Wilhelmshaven zum Blick auf den Jadebusen, wo er Kinder-, Jugend- und Schulzeit verbrachte. Zum Studium brach er auf nach Tübingen und studierte dort zunächst Biologie, Chemie und Physik. Wissenschaftstheoretische Interessen leiteten ihn dann in die Philosophie, ästhetische Interessen in die Kunstgeschichte, während der Zeit von 1962 bis 1970. Das Studium schloss er ab mit dem Doktorat in Philosophie (Prüfer Helmut Fahrenbach und Dieter Jähnig), Nebenfächer Kunstgeschichte und Zoologie. Von 1968 bis 1977 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter Ernst Blochs bei der Herausgabe von dessen Gesamtausgabe „letzter Hand“ im Suhrkamp Verlag.
                 Seine universitäre Lehrtätigkeit begann am Leibniz-Institut der Universität Tübingen 1970, setzte sich fort per umfangreicher Lehrbeauftragung für Kunstphilosophie an der  Bergischen Universität Wuppertal von 1971 bis 1975, zusammenwirkend mit dem Kunsthistoriker Georg F. Schwarzbauer und dem Bildhauer Guidi Jendritzko. 1971/72 arbeitete er außerdem für die documenta 5 in Kassel, wo er zusammen mit Lucius Burckhardt und Francois Burkhardt die zum ersten Mal  durch die documenta eingerichtete Abteilung „Architektur und Design“ übernahm. Es wurde noch der Kunsthistoriker Matthias Eberle hinzugezogen. Die Abteilung wurde von den Dreien ausgerichtet auf Architekturutopie des 20. Jahrhunderts unter der Thematik „Utopie und Planung“. Schmidt betreute dabei besonders die theoretische und die textliche Seite des Unternehmens als Spezialist für utopisches Denken.
                Als Vortragender auf dem Europäischen Forum Alpbach in Österreich lernte er 1972 seine spätere Frau kennen, Ingrid Greisenegger, damals Theaterwissenschaftlerin aus Wien, dann Dramaturgin, schließlich Journalistin als langjährige Chefredakteurin eines Jugendmagazins, dann als Redakteurin für viele Jahre beim „Profil“, der österreichischen Entsprechung zum „Spiegel“, und Sendungsmacherin beim österreichischen Fernsehen wie Rundfunk. Schließlich übernahm sie dort wie beim “Kurier“, zweitgrößter Tageszeitung Österreichs, als Wirtschaftsjournalistin Gebiete alternativen Wirtschaftens, besonders im Zug der Grünen-Bewegung. Lauter Arbeitsfelder, für die sich der Philosoph höchst interessierte. Geheiratet wurde 1973.
               Er selber, Schmidt, wechselte 1976 als umfangreich Lehrbeauftragter für Kunstphilosophie an die Architekturfakultät der Universität Hannover, nun mit besonderer Hinsicht auf Architektur. Er kooperierte breit mit dem Professor für Malerei und Zeichnung dort, Detlef Kappeler. Das währte bis 1998, die Lehrtätigkeit, - dagegen die Kooperation mit Detlef Kappeler lief darüber hinaus. Zudem unternahm er 1978/79 die Grundlegung des Ernst-Bloch-Archivs in dessen Geburtsstadt Ludwigshafen a. Rh. und war von 1986 bis 2006 Präsident der von Gert Ueding und der Stadt initiierten Ernst-Bloch-Gesellschaft, ab dann Ehrenpräsident. Die intensive Arbeitsorientierung nach Hannover beschloss sich mit Jurorenfunktion zum Niedersächsischen Architekturpreis und mit Beratungsarbeit in Sachen Utopie zur Expo in Hannover um 1998. Zuvor aber hatte sich Schmidt an der Universität Hannover für Sozialphilosophie habilitiert, 1984, mit den Betreuern Oskar Negt und Joachim Perels, Außengutachter Helmut Fahrenbach, und wurde 1985 an der Architekturfakultät dieser Universität zum Honorarprofessor berufen.
                  Seine Hauptlehrtätigkeit allerdings betrieb er als umfangreich Lehrbeauftragter seit 1977, wieder als Vertreter des Fachs Kunstphilosophie, an der damals Hochschule, heute Universität für angewandte Kunst in Wien, wohin er von Tübingen her mittlerweile umgezogen war. Diese Lehrtätigkeit (Kooperation mit Manfred Wagner)  währte bis 1998, sie wurde ergänzt durch Lehrbeauftragung 1983 - 2003 an der Akademie der Bildenden Künste/Universität Wien, in Kooperation mit Bruno Gironcoli und der Bildhauerschule am Prater. Auch war Schmidt von 1986 bis 1988 als Gastprofessor Leiter des Instituts für Gegenwartskunst an der Wiener Kunstakademie, gleichsam ausgeliehen von der „Angewandten“. Als Gastdozent vertrat er 1991/92 eine vakante Lehrkanzel für Kunstgeschichte an der Technischen Universität Graz, immer wieder lehrbeauftragt wurde er in Soziologie (Kooperation mit Paul Kellermann) und Philosophie (Kooperation mit Manfred Moser) an der Universität Klagenfurt (1982 – 2001), dort später auch als Gastprofessor, neben seiner Haupttätigkeit an „Angewandter“ und Kunstakademie in Wien. Zu weiteren Nebentätigkeiten gehörte seine vieljährige Gastdozentur für Kunsttheorie an der Donau-Universität Krems (1990 - 1996) und  an dem Internationalen Zentrum für Kultur und Management (ICCM) Salzburg (1993 – 2003), wo er die Kunsttheorie-Arbeiten für den Euro-Master betreute und zensurierte. In den achtziger Jahren gab er zudem Kurse zur Kritischen Theorie und was damit zusammenhängt am Aloisianum in Galarate bei Milano, dem Philosophiezentrum der Societas Jesu. Und er gehörte zum lehrenden Staff der International University for Postgraduate Studies in Dubrovnik  von 1979 bis 1990. Seit den 90er Jahren arbeitet er in Sachen Konkreter Kunst und Konkreter Poesie, an die ihn sein nach Ernst Bloch zweit-wichtigster Lehrer der Philosophie, Max Bense, heranführte, eng zusammen mit Peter Daniel, Eugen Gomringer und Hellmut Bruch sowie dem darauf ausgerichteten  Verlag Edition Splitter, begründet von Batya Horn in Wien.
                  1997 berief man ihn auf die Professur für Sprache und Ästhetik an der Hochschule für Gestaltung Offenbach a. M., die ihn auch von 2001 bis 2011 zu ihrem Vizepräsidenten wählte. So lebte er nun für 15 Jahre in Offenbach und Wien hin und her und nannte sich ironisch einen etwas erweiterten Wochenendwiener. In Offenbach wurde er dann 2011 emeritiert. Seit 2001 ist er, sozusagen im Nebenzug vorläufig zurückgekehrt, Projektgastprofessor an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Zunächst umfasste das hauptsächlich philosophische Konsulenz für die von dem dortigen Professor für Kunst- und Wissenstransfer, Christian Reder, entworfenen und organisierten Transferprojekte Damaskus, Sahara, Graue Donau – Schwarzes Meer und Kartographisches Denken, auch zum Projektstudium selber. Dazu kam dann und wurde schließlich Schwerpunkt der Arbeit das Betreuen, Werten und die Rigorosumsabnahme bei Promotionen zum Doktor phil. im Fach Kunst- und Wissenstransfer, was zur Zeit noch Burghart Schmidts Funktion an der Angewandten ist.
                 Hauptgelände seiner Lehrtätigkeit machte also alle die Jahre Kunsttheorie aus unter Einschluss von Bildwissenschaften. Doch seine Forschungs- und Publikationsarbeit richtet sich auch auf viele andere Gebiete der Philosophie, so Erkenntnistheorie, Geschichtsphilosophie, Religionstheorie, politische Philosophie, philosophische Psychologie, Sozialphilosophie und Rechtsphilosophie. Und es bleibt die naturwissenschaftliche Orientiertheit spürbar, allein schon durch seine Arbeiten zum Naturproblem (siehe das Projekt „Schmetterlingsflügel zusammen mit Ingrid Greisenegger und Henriette Horny, realisiert im Rahmen der von Hubert Christian Ehalt organisierten Wiener Vorlesungen und veröffentlicht als Nr. 110 des „Wespennest. Zeitschrift für brauchbare Texte und Bilder, März 1998). Auch seine Gastaufenthalte als Lehrender etwa an der University of New York in Stony Brook (in Kooperation mit Dick Howard), Havard Law School (in Kooperation mit David Kennedy und Leo Specht), Université de Québec à Montreal (in Kooperation mit Francois Latraverse und  Gérard Raulet) oder der UNAM/Mexico City (in Kooperation mit Herbert Frey 1981, 1987), ebenso der Polytechnic University Brooklyn/New York (in Kooperation mit Wolfgang Schirmacher, 1988) und die Mitarbeit an zwei Weltkongressen der Philosophie (1983, 1992) waren allgemeinen Grundthemen der Philosophie gewidmet.
                                                                                Umfangreiche Projektmitarbeit, über viele Jahre sich erstreckend, verwirklichte Schmidt, abgesehen von den schon genannten Transferprojekten Damaskus, Sahara, Graue Donau – Schwarzes Meer in Kooperation mit Christian Reder, durch Teilnahme an dem von Jan Robert Bloch, Michael Daxner und ihm geleiteten „Arbeitskreis Naturqualität“ von 1978 bis 1982 mit Tagungsorten an der Universität Kiel, der Universität Essen, der Universität Osnabrück, der Universität Kassel, der Universität Oldenburg und vor allem durch die Teilnahme an der von Gérard Raulet, Hans Paetzold, Manfred Moser und ihm geleiteten französisch-österreichisch-deutschen Forschungsgruppe  zum Ornamentproblem im Rahmen von Le groupe de recherche sur la culture de Weimar an der Maison des sciences de l´homme/Paris mit Tagungsorten an der genannten Maison, der Ecole normale superieure/Saint Cloud und Lyon, der Université de Montpellier, der Université de Rennes, der Universität Hamburg, der Universität Klagenfurt und der Universität für angewandte Kunst in Wien von 1988 bis 2001.
                         In Konsulenzbeziehung stand er langjährig zum Internationalen Design-Zentrum Berlin (1971 – 1983), dem Centre Pompidou Paris (1984 – 1991) und noch eben der Maison des sciences de l´homme Paris (ab 1983). Derzeit wieder vorwiegend in Wien lebend beschäftigt er sich nach jüngster projektartiger Arbeit zu den Problemfeldern Landschaftsphilosophie (zusammen mit Adam Jankowski und Robert Lettner), Philosophie des Reisens (in Kooperation mit Paolo Bianchi und Klaus Kufeld), Kunst und Wissenschaft (in Kooperation mit Christian Reder, Hans Zitko und Christian Janecke), Kunst und Wirtschaft (in Kooperation mit Dieter Ronte) und einer Philosophie der Rhetorik (in Kooperation mit Gert Ueding) vor allem mit dem Projekt einer Ästhetik des Rechts (in Kooperation mit Nicole Horn) und mit dem Abschluss seines großen Kunstbuchs zur Lage der Kunst im Jetzt nach allen Seiten. Aber auch an Projekten mit Anderen nimmt er teil. Vor Allem wirkt er in Zusammenarbeit mit Francois Burkhardt an einer höchstfällig werdenden Aktualisierung ihrer Forschungen zu Architekturutopie unter der Problemsicht der Entgegensetzbarkeit von Utopie und Planung, des Weiteren an dem Projekt der Konzeptkünstlerin Gertrude Moser-Wagner über das Thema der „Zugunruhe“, wohinein er sein Hobby der Ornithologie einspielen kann, Philosophie der Ornithologie, Schnittstelle wiederum von Ästhetik, Kunst und Wissenschaft. Solchem Interesse an Schnittstellen verdankt sich auch sein derzeitiges Forschungs-Zusammenwirken mit der Psychiaterin Beate Schrank zu einem Einbringen von  Philosophie-Einsichten in die Psychotherapie. Alte Angelegenheiten kehren ganz anders zurück in Ringbildungen aus variierenden Ringbildungen, siehe Konkrete Kunst, Architekturutopie und  philosophische Psychologie.